Q&A

Welche Kompaktkamera?

Q: N’abend  Hanno, sag mal, hast Du zufällig eine Empfehlung für eine Kompaktkamera? Oder eine Linsenmarke? Was hältst Du z.B. von der Panasonic DMC-TZ71?

A: Hallo K! Der Markt an Kameras ist so groß, dass ich nicht annähernd einen Überblick habe. Die Panasonic DMC-TZ71 mußte ich erstmal googlen. Was mir spontan nicht gefällt, das ist ein 10fach Zoom. Denn desto größer das X bei einem X-fach Zoom, desto mehr Kompromisse müssen bei der Konstruktion der Optik gemacht werden. Und desto mehr Kompromisse gemacht werden müssen, desto mehr neigt die Abbildungsqualität zum Mittelmaß oder auch darunter – da hilft auch der Aufkleber „Leica“ auf der Optik nicht sehr weit.

Was mir an der Kamera nach meinem ergoogleten Eindruck gut gefällt, das ist ihre Winzigkeit (im Vergleich zu den Spiegel-Reflex-Kameras, an die ich gewohnt bin). Die DMC-TZ71 kann man immer dabei haben, weil sie leicht in einer Hosen-, Hemden- oder Jackentasche Platz findet. Was ein entscheidendes Kriterium sein kann.

In einem Testbericht habe ich gefunden, dass das Vorgänger-Modell GPS eingebaut hatte. Seit ich GPS in meiner Spiegel-Reflex-Kamera habe, möchte ich nicht mehr ohne sein – aus zwei Gründen: 1. GPS (wärst Du nicht drauf gekommen, nicht wahr? 😉 ) – Naja, ehrlicherweise nicht wegen der Technik an sich, sondern weil es einfach angenehm beim Sortieren oder Raussuchen von Bildern ist, wenn man sie nach Orten sortieren kann und sich die Aufnahmeorte in Google-Maps anzeigen lassen kann. Das können aktuelle Panasonic DMC-TZ nach meiner Recherche NICHT (ohne Gewähr, das meine Recherche da vollkommen richtig ist). Das finde ich schade. Was mir 2. an GPS gefällt: Nie mehr die Kamera-Uhr stellen. Denn in den GPS-Satelliten sind Atomuhren eingebaut, weil GPS-Positionierung über eine Ein-Weg-Streckenmessung funktioniert – dazu braucht man einen sehr genaue Zeit – mit GPS-Signalen wird also immer die aktuelle Uhrzeit mitgeliefert. Das bedeutet: Nie mehr Datum und Uhrzeit in der Kamera einstellen. (Ok, vielleicht nur für mich als Herrscher über mehrere Kameras mein Wunsch, dass doch in allen Kameras zu haben – was eben auch bei mir nicht der Fall ist.)

Aber ich bin ein wenig vom Pfad abgekommen. Zurück zu den Kriterien, wie man eine „gute“ Kompakt-Kamera findet.

Um die Kriterien zur Auswahl festzulegen, ist „Geld“ immer ein Kriterium – wieviel davon kann oder will man in die Hand nehmen? – Google behauptet, beim media-Markt bekommt man eine DMC-TZ71 für 269,00 € (Stand 23.07.2018). Ich nehme das mal als Kriterium für Alternativen – die einfach nur zur Entscheidungsfindung helfen sollen.

Wenn es um Handlichkeit, Kleinheit gehen soll – dann scheint mir die Panasonic DMC-TZ71 eine gute Kamera. Was nützt die tollste Kamera, wenn man sie zu Hause liegenläßt, weil sie so unbequem mitzunehmen ist? Ich würde allerdings in ein Geschäft gehen, und die Kamera in die Hand nehmen, um zu überprüfen, ob ich Spaß daran habe.

Von der optischen Leistungsfähigkeit der DMC-TZ71 wäre ich nicht überzeugt – bei einem Preis der Kamera samt Objektiv von 269,00 € darf man aber besser auch keine Wunder erwarten. Wenn Dir optische Leistungsfähigkeit wichtiger ist, als die Verstaubarkeit der Kamera in der Hosen- oder Jackentasche, dann wäre – vor allem, weil ja hier schon der Marken-Name „Leica“ gefallen ist – eine Kamera der „neuen“ Leicas meine Empfehlung: Fuji ist das neue Leica. Leica ist mit seinen Sucherkameras groß geworden. Aber Leica hat die digitale Welt nicht früh genug ernst genug genommen.

Fuji nimmt die digitale Welt und die Anforderungen der heutigen Fotografen sehr ernst, und entwickelt seine Angebote mit hoher Dynamik weiter. Würde ich mich heute neu für eine Kamera-Marke entscheiden: Es wäre Fuji. Vor zwei Jahren kam die Fuji X70 raus – die wird inzwischen schon nicht mehr hergestellt, aber ich habe „damals“ eine gekauft und sie vielgeliebt in Hosen- und sonstigen Taschen dabei gehabt – und sie hat, was die Kamera, die ich Dir gleich vorschlage, auch hat: Ein Klapp-Display. Schau Dir mal die Fuji X-A10 an, die als Kit mit dem Objektiv XC 16-50mm verkauft wird – das wäre ein Einstieg in das Fuji-System mit Wechsel-Optiken. Das Klapp-Display ist wirklich was feines! Weil Du die Kamera in Überkopf-Höhe halten kannst und den Bildausschnitt kontrollieren kannst – oder Dich nicht selbst flach auf den Boden legen mußt, wenn Du boden-nah fotografieren willst, was sich besonders auch bei Landschafts- oder Reisefotografie gut macht, um spannende Bildwinkel zu finden.

Ich fasse jetzt mal einfach zusammen:

  1. Gute optische Abbildung: So wenig Zoom, wie möglich.
  2. Optische Qualität steht nicht im Vordergrund, sondern das Ziel ist mehr wie ein Reporter optische Tagebucheinträge sehr flexibel einfangen: Viel Zoom ist klasse!
  3. GPS: Kein Muss – nice to have.
  4. Klapp-Display: Erschließt – ähnlich wie ein Zoom – mehr Möglichkeiten für Motive – allerdings ohne die optische Qualität zu beeinträchtigen. Klappdisplay ist immer gut – kostet extra.
  5. Bisher nicht angesprochen: anschließende Bildbearbeitung. Sowohl bei der Fuji als auch bei der Panasonic kannst Du Deine Bilder auch in einem RAW-Format speichern. Also quasi digitale Negative, die dann mit einer Bildbearbeitung entwickelt werden müssen – was Dir optimale Möglichkeiten der Bildbearbeitung eröffnet. Das gefällt mir auch an der Panasonic sehr gut. JPGs werden direkt in den Kameras entwickelt. Fuji wird da meiner Erfahrung nach zu Recht gelobt für seine guten JPGs. Fujis Erfahrung mit jahrzehntelanger Film-Herstellung ist da in die Software der Fuji-Kameras eingeflossen – sehr zum Vorteil der Bildergebnisse.

Also: Wenn Du eine kleine Kamera willst – dann ist die Fuji raus. Willst Du eine längerfristige Perspektive, dann würdest Du Dich mit der vorgeschlagenen Kamera in das Fuji-System einkaufen: Du könntest bei wachsendem fotografischen Interesse dann andere gute Fuji-Objektive kaufen und an die Kamera schrauben. Und dann – anders herum – auch die Fuji-Kamera durch eine bessere Kamera ersetzen und die Objektive weiter nutzen.

Als Reisekamera sieht die Panasonic schön schlank aus und Du wirst dann eventuell mehr gute Bilder mit nach Hause bringen, wenn Du eine andere Kamera wegen der Größe gar nicht mitnehmen würdest – da ist dann die technische optische Qualität gleichgültig.

Um Dich abschließend aber noch mehr zu verwirren, eine letzte Frage: Ist eine wasserfeste Outdoor-Kamera vielleicht auch noch eine Überlegung wert? – Na, vielleicht ist die Unterstützung bei der Entscheidungsfindung doch größer, als die von mir gestiftete Verwirrung, weil ich anstatt einer anderen Kompaktkamera eine Systemkamera ins Spiel gebracht habe… Der Spaß beim Fotografieren fängt bei der Wahl einer Kamera an: Hauptsache, Du besorgst Dir eine. Am Schluß machst Du die Bilder – und nicht die Kamera – aber ohne Kamera müßtest Du malen – und das würde besonders auch bei mir – niemand sehen wollen.

Oder irre ich mich?

Hier schreibt Hanno – ein Mensch mit Familie und Freunden. Und die meisten Beiträge hier haben irgendwie was damit zu tun.

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